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Christian
Moritz:
Wie erklärt sich eigentlich der
Name Eures Duos?
Thomas
Kirchhoff:
Er klingt gut, kann von jedem in
jedem Land ausgesprochen werden
und die meisten Menschen
verbinden mit Amadeus (Mozart)
etwas Positives, etwas Schönes.
C.
M.: Wann
habt Ihr mit dem Duospiel
begonnen und wie habt Ihr Euch
kennen gelernt?
Dale
Kavanagh:
1991 hat Thomas mich angerufen
und mir 40 Konzerte angeboten
– da konnte ich nicht nein
sagen, obwohl ich nach wie vor
sehr! gerne Solo spiele. Wir
haben dann nach drei Monaten
Probe die ersten Konzert gehabt
(auch schon mit Orchester) und
mittlerweile sind über 500 in
40 Ländern daraus geworden.
C.
M.: Es
ist mir kein Gitarrenduo
bekannt, dass so oft mit
Orchester konzertiert wie Ihr.
Worin liegt für Euch der
besondere Reiz an der Arbeit mit
Orchestern?
T.
K.:
Ich glaube ich kann sagen, dass
das meine Idee war... ich denke
jedes Duo, oder auch jeder
Interpret sollte sich eine
Nische suchen und das Spiel mit
Orchester ist sicher unsere
Nische als Duo. Wir lieben es
mit anderen zusammenzuspielen
und die Literatur (die wir durch
Aufträge ja auch laufend zu
erweitern suchen) liegt uns und
reizt uns.
C.
M.: Benutzt
Ihr bei Auftritten mit Orchester
eigentlich einen Verstärker?
– Wenn ja, welches Equipment
nutzt Ihr?
D.
K.:
Wir spielen seit 10 Jahren das
System von Stephan
Schlemper und gerade jetzt
hat er ein neues, noch viel
besseres System entwickelt, das
mit seinem sehr natürlichen
Sound echt überzeugt. Es
funktioniert bis zu einer Saalgröße
von 2000 Personen und
Orchesterstärke von 80-90 Mann.
Ich kenne kein besseres und
keines, das leichter und
einfacher zu bedienen wäre.
C.
M.:
Befruchtet die Zusammenarbeit
mit Dirigenten und Orchestern
Euer Duospiel?
T.
K.:
Sicher, es gibt schon einige
Dirigenten, die uns auf neue
Ideen bringen. Wir spielen z. B.
sehr viel mit Hermann Breuer
zusammen (Dirigent der Thüringen
Philharmonie) oder Hans-Horst Bäcker
(Dirigent der Internationalen
Philharmonie) – beides sehr
unterschiedliche Dirigenten,
aber beide geben uns andere
Impulse. Der eine besonders viel
Ruhe, der andere viel Energie.
Ganz unterschiedlich eben.
C.
M.:
Wollt Ihr in Zukunft weiter primär
mit Orchestern arbeiten oder
plant Ihr in Zukunft auch wieder
für die kammermusikalische
Duo-Besetzung?
T.
K. und D. K.:
Wir setzten sicher auch in
Zukunft vor allem auf die Arbeit
mit Orchester. Ohne jetzt
prahlen zu wollen, aber wir
haben schon jetzt 18 Werke für
1, 2 und 4 Gitarren im Programm,
die wir fast alle regelmäßig
spielen – viele Werke davon für
uns geschrieben (Dyens,
Domeniconi, Zenamaon, Jost,
Genzmer, Garcia) und ein
weiteres folgt jetzt. Gheorge
Zamfir schreibt gerade ein
Konzert f. Panflöte, 2 Gitarren
und Orchester für uns, das wir
im Januar zusammen mit Rodrigos
Gentilhombre und dem neuen
Gerald Garcia Konzert aufnehmen
werden.
Dann
wird der ehemalige Henze-Schüler
Martin Herchenröder eine
Konzert f. 2 Gitarren und großes
Orchester für uns schreiben –
das erste mal etwas mehr
Avantgarde, denn die anderen
Konzerte gehören ja eher der
gemäßigten Moderne an.
C.
M.:
Könnt Ihr Euch eigentlich noch
durch alle Stücke durchspielen,
die Ihr angeboten bekommt?
D.
K.:
Nein, sicher nicht, denn wir
bekommen wirklich fast wöchentlich
ein Duo- oder Solostück
angeboten. Wir schauen viel an,
aber wenn wir ein Stück
aufnehmen spielen wir es auch 50
mal und so können wir natürlich
nicht zu oft wechseln....
C.
M.:
Bei Euren Projekten „Spanish
Night“ und „Guitar Gala
Night“ habt Ihr mit dem
Eden-Stell – Duo
zusammengespielt. Könnte sich
daraus auch ein festes Ensemble
entwickeln?
T.
K.:
Leider haben wir die
Zusammenarbeit beenden müssen.
Die beiden wollten lieber wieder
einen eigenen Duoweg gehen, was
wir verstehen können. Es hat
sehr viel Spaß gemacht und wir
haben produktiv gearbeitet.
Jetzt spielen wir die Spanish
Night mit Ivo und Sofia Kaltchev
zusammen, eine Zusammenarbeit
auf die wir uns sehr freuen,
denn die beiden sind natürlich
echt weltklasse und kommen
eigentlich unserem Spiel (mit
einem festen, kräftigen Ton) näher!
Wir machen auch noch ein anderes
Projekt „Viva Vivaldi“ mit 5
Konzerten für 1, 2 und 4
Gitarren und Streichorchester
(zusammen mit der Capella
Istropolitana) von Antonio
Vivaldi mit Frank Gerstmeier und
Nora Buschmann.
C.
M.:
Euren Lebensmittelpunkt hattet
Ihr vorübergehend nach Kanada
verlagert. Warum seid Ihr doch
wieder nach Deutschland zurückgekehrt?
Ist die Szene hier besser?
D.
K.:
Leider sind die Möglichkeiten
Konzerte in unserem Genre zu
geben in Europa einfach besser,
außerdem haben wir beide einen
Lehrauftrag an der
Musikhochschule in Dortmund.
Aber wir vermissen Kanada
sehr!!! Glücklicherweise
spielen wir 1-2 mal im Jahr
ausgedehnt in Kanada und den
USA.
C.
M.:
Dale, Du bist ja eigentlich
bekannt für Deine Vorliebe für
Neue Musik. Jetzt hast Du auf
Deiner CD „Reverie“ nur
klassisches Repertoire von
Regondi, Diabelli, Giuliani und
Paganinni eingespielt. Wie kam
es zu dieser überraschenden
Zusammenstellung?
D.
K.:
Musste einfach sein – schöne
Musik, will einfach gespielt
sein. Ich möchte auch in keine
Schublade, obwohl ich natürlich
die Komponisten wie Zenamon,
Domeniconi, Dyens besonders schätze.
C.
M.:
In letzter Zeit bekommt man oft
zu hören, dass das Interesse an
der Gitarre sinkt. Erlebt Ihr
das auch so? Die Hochschulen
sollen ja z.B. geradezu um die
wenigen Bewerber kämpfen müssen.
T.
K. und D. K.:
Können wir nun wirklich nicht
bestätigen. Sowohl nicht an der
Hochschule (wesentlich mehr
Bewerbungen als wir nehmen dürfen)
als auch bei unserem Festival.
250! Anmeldungen hatten wir da
dieses Jahr – ich glaube, das
ist Beweis genug, dass es noch
lange nicht bergab geht mit der
Gitarre.
C.
M.:
Vielerorts wird beklagt, dass
den Studenten nicht die nötigen
Selbstvermarktungsstrategien mit
auf den Weg gegeben werden, um
später im Musik-Business zu
bestehen. Glaubt Ihr, man sollte
dies im Studium stärker berücksichtigen?
Wie wichtig ist die
Selbstvermarktung für eine
erfolgreiche Karriere?
T.
K.:
Mal ganz eigennützig – ist ja
nicht so schlecht, dass nicht
alle spielen.....Nein, aber im
Ernst, ich denke, wer es
schaffen will und das Talent
hat, wird es schaffen. Mit oder
ohne Managementkenntnissen. Ist
meine Erfahrung.
C.
M.:
Was würdet Ihr Gitarristen mit
auf den Weg geben, die gerade
mit dem Duospiel beginnen?
D.
K.:
Üben und viel anhören und
anschauen. „Genie stiehlt“
hat doch mal Picasso gesagt.....
C.
M.:
Wie wichtig waren Eure eigenen
Lehrer Oscar Ghiglia und David
Russell für Eure jeweilige
Entwicklung?
T.
K. und D. K.:
Beide extrem wichtig und auch
bis heute Vorbilder in jeder
Hinsicht!
C.
M.:
In Iserlohn habt Ihr eines der
größten und angesehensten
Gitarrenfestivals etabliert. Wie
erklärt Ihr Euch den großen
und dauerhaften Erfolg des
„Gitarrensymposions
Iserlohn“?
T.
K.:
Wir bieten für relativ wenig
Geld – 400 Euro für 8 Tage
(im Vergleich mit anderen großen
Festivals) ein riesiges Programm
(sehr viel Unterricht – über
600 Stunden dieses Jahr, gute
Unterbringung und sehr gute
Verpflegung (4 Mahlzeiten), 12
Konzerte, Ensemble,
Technik-Klassen, 28 Dozenten und
sehr viel gute Laune – jede
Menge Jokes und Party, keine
steife Veranstaltung. Wirklich
internationale Beteiligung (35 Länder
dieses Jahr) – keinen
Wettbewerb, der der Hälfte der
Teilnehmer aus irgendwelchen Gründen
die Laune verdirbt und ich
glaube die Leute merken, dass
wir mit Ihrem Geld selbst nichts
verdienen und wirklich etwas
Gutes anfangen.
C.
M.:
Ist es nicht schwer, sich auf
Dauer an der Spitze zu halten,
neue Projekte zu organisieren
und regelmäßig CDs abliefern
zu müssen? Bemerkt Ihr manchmal
Ermüdungs- bzw.
Abnutzungserscheinungen an Euch
oder empfindet Ihr Euer
Musikerleben immer noch als
genauso spannend und aufregend
wie am Anfang?
T.
K. und D. K.:
Ganz ehrlich, nein, keine Ermüdungserscheinungen
– wir haben noch ‚ne Menge
Ideen für die Zukunft und es
gibt keinen schöneren Beruf.
C.
M.:
Welches Projekt verfolgt Ihr zur
Zeit und wie sehen Eure Wünsche
und Pläne für die Zukunft aus?
T.
K.:
Wie gesagt die Spanish Night Nr.
2 mit dem Zamfir-Konzert, dann
das Herchenröder Konzert, dass
uns wieder mit ganz anderen
Orchester zusammenführen wird,
eine Barock Duo CD und eine Etüden-Solo
CD von Dale. Dann das Festival
weiter ausbauen mit neuen
Kompositionsaufträgen.
Danach... na da kommt schon noch
was. Schaun wir mal.
C.
M.:
Vielen Dank für dieses
kurzweilige Interview!
Weitere
Informationen:
www.amadeusduo.de
www.spanishnight.de
www.kavanagh.de
Diskographie:
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Amadeus
Guitar Duo play
Bach/Busoni
/Dodgson/Domeniconi/Zenamon
Hänssler
CD 98.338 |
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"Mediterraneo"
Concertos for 2 guitars
and Orchestra by
Domeniconi and Genzmer
Hänssler CD 98.347 |
 |
Amadeus
Guitar Duo &
Eden-Stell-Duo
"Spanish Night"
- Three Concertos for 1,
2 and 4 Guitars and
Orchestra by
Rodrigo.
Hänssler CD 98.349 |
 |
"Hommage"
Concertos for 2 Guitars
and Orchestra by
Domeniconi, Zenamon and
Dyens
Hänssler CD 98.389 |
 |
Amadeus
Guitar Duo &
Eden-Stell-Duo
"Guitar Gala
Night" - Bach,
Scarlatti, Giuliani,
Kavanagh, Bellinati
Hänssler CD 98.401 |
 |
Dale
Kavanagh
"Toccata in Blue"
Domeniconi, Zenamon,
Kavanagh
Hänssler CD 98.348 |
 |
Dale
Kavanagh
"20th Century
Variations"
Domeniconi, Ponce,
Britten
Hänssler CD 98.350 |
 |
Dale
Kavanagh.
"Lyrical and
virtuosic guitar Music"
by Berkeley, Villa-Lobos,
Zenamon
Hänssler CD 98.339 |
 |
Dale
Kavanagh
"Réverie"
Diabelli, Giuliani,
Regondi, Paganini
Hänssler CD 98.400 |
Erschienen bei
hänssler
classic
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