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Interview/Gerold Karl Hannabach

 

„Und er baut und baut und baut“

Interview mit dem Gitarrenbaumeister Gerold Karl Hannabach


Der Altmeister des Gitarrenbaus macht jedes Jahr den langen Weg vom Süden aus Bubenreuth hoch in den Norden, um in Barmstedt den einwöchigen Kurs „Gitarre von A bis Z – Reparieren und Bauen von Saiteninstrumenten für Anfänger und Fortgeschrittene“ zu geben.  Bei dieser Gelegenheit ist auch das folgende Interview entstanden, in dem er u.a. über die Geschichte dieses Baukurses, über die ersten Kindergitarren , die Begegnung mit anderen Gitarrenbauern und Interpreten und über den Gitarrenbau nach dem Krieg spricht.

Schaut man dem heute 81-jährigen in die Augen, sieht man sie jung aufblitzen, sobald es auf „sein“ Thema Gitarrenbau kommt. Und so wie man über den VW Käfer gesagt hat, dass er „läuft und läuft und läuft“, so kann man mit Recht für Meister Hannabach ableiten: „Und er baut und baut und baut“.


Frage (F): Herr Hannabach, wie ist die Idee zu diesen Gitarrenbaukurs entstanden?

Herr Hannabach (H): Der Kurs läuft seit fast genau 20 Jahren hier in Barmstedt. Begonnen hat es in Bündheim bei Bad Harzburg. Dort fand ein Gitarrenkurs mit Bernard Hebb und Sonja Prunnbauer statt. Es gab eine Werkstatt und ich habe dort immer wieder Reparaturen angeboten. Herr Hebb hatte dann die Idee, dass wir dort doch einen Extra-Reparaturkurs anbieten könnten. So ging es los! Es hat sich jetzt so ergeben, dass neben den Reparaturen auch Neubauten entstehen. Mit meinem Sohn Karl mache ich das Gleiche auch in Meierzhagen im Sauerland, dort aber nur als Wochenendkurs.

F: Sind es mehr Gitarristen oder angehende Gitarrenbauer, die zu dem Kurs kommen?

H: Nein, Laien, sie sind teilweise nicht mehr in ihrem Beruf, aber sie arbeiten mit großer Begeisterung. Manchmal kommen sie auch in meine Werkstatt und bleiben 3 - 4 Tage dort und werden dann sogar von meiner Frau Anita verpflegt. Gerade wenn sie irgendwas Heikles lernen wollen, so wie z.B. den Umgang mit Celluloselack, sind sie froh, ein paar Tage in meiner Werkstatt unter meiner Aufsicht in Ruhe arbeiten zu können.

F: Ich meine aus Ihrer Vita herauszulesen, dass das Weitergeben von Erfahrungen Ihnen schon immer sehr wichtig gewesen ist.

H: So ist es, ich bin grundsätzlich so eingestellt, anderen Menschen zu helfen. Und dann: Der gute Meister - das ist meine Devise - soll sein Wissen und Können rechtzeitig weitergeben. Und das haben auch die Teilnehmer verstanden. Was der eine nicht weiß, weiß der andere. Das ergibt einen ganz tollen Zusammenhalt.

F: Sie sind 1928 geboren und kommen aus einer traditionsreichen Musikinstrumentenbauerfamilie.

H: Ich komme auch aus einer Musikstadt, Schönbach aus dem Egerland. Inzwischen heißt das Luby (in Tschechien). Luby heißt übrigens Zarge. In Schönbach war praktisch in jedem zweiten Haus ein Instrumentenbauer. Das muss man sich mal vorstellen! Das lag ja ca. acht Kilometer von Markneukirchen entfernt, also im Zentrum des Vogtlands. In den 30er-Jahren hat es in Markneukirchen über 21 Millionäre gegeben! Sie wurden damals „Fortschicker“ genannt, heute würde man sie „Exporteure“ nennen. Die haben im Egerland billig oder sehr billig eingekauft, und oft für den gleichen Preis weiterverkauft, nur eben in einer anderen Währung. Acht Tschechenkronen waren eine Reichsmark. So war die Steigerung : Kronen – Reichsmark – Dollar. Ich habe hier auf dem Kurs übrigens eine Gitarre von 1936 von Anton oder Rudolf Mettal vorgeführt. Die hatten die gleiche Qualitätsstufe wie die Gitarren von Richard Jakob Weißgerber. Die Werkstatt Mettal in Schönbach war Spitze; sie waren die Besten und haben sich auch getraut, in den 30er-Jahren eine 65-cm-Mensur zu bauen – heute ganz normal. Die anderen bauten dagegen eine Mensur bis 63 cm, das war dann die „Herrengitarre“; länger wurde einfach nicht gebaut. Die kleineren Mensuren waren die „Damengitarren“. Ich habe aus Interesse eine original Mettal Gitarre mit 65er-Mensur hier auf dem Kurs gezeigt.

F: Was haben Ihre Eltern gemacht?

H: Mein Vater war Saitenmacher, sein Bruder war auch Saitenmacher und dessen Sohn macht heute die Hannabach-Saiten.

F: Was haben Sie am Anfang gelernt?

H: Ich habe in der Staatsfachschule in Schönbach Geigen- und Cellobogenbau gelernt. Dort war ich später auch 14 Jahre lang Gastdozent.

F: Wie sind Sie dann vom Geigenbau auf den
Gitarrenbau gekommen?

H: Ich musste noch mit 16 Jahren in den Krieg marschieren, war dann ein Jahr in Gefangenschaft in Frankreich, und wurde endlich nach Regensburg entlassen. Ich habe dann herausbekommen, dass bei Tennenlohe, welches zu Erlangen gehört, Geigenbauer aus Schönbach arbeiten. Ich bin dort hingefahren, und wem stehe ich gegenüber? Meinem Nachbarn von zu Hause in Schönbach, dem Herrn Hoyer. Nachdem er gehört hatte, dass ich aus der Kriegsgefangenschaft gekommen bin, fragte er mich: „Willst du nicht bei mir Gitarrenbau lernen?“ Und so bin ich mit 17 Jahren zu meinem eigentlichen Beruf gekommen. Erst als Lehrling und dann als Geselle. Ich habe u.a. die Nummer 15 gebaut, das war eine schattierte Schlaggitarre und die Nummer 16, das Modell „Herr im Frack“.

F: Schattiert heißt sunburst, „sonnengebräunt“, rotbraun mit Übergang zum Hellen. Waren das Jazzgitarren, wie sie die Amerikaner mitgebracht hatten?

H: Ja, damit wurde viel Geld verdient. Flüchtlinge und Gefangene hatten nach dem Krieg nichts außer ihrem Handgepäck. Herr Hoyer, der gerade diese Gitarren herstellen konnte, ist mit den Amerikanern in den LKWs oder mit den Trucks rüber in den Nürnberger Raum gefahren und konnte alles mitnehmen. Maschinen, das ganze Material und den Lack, alles hat er bekommen. Da konnte er trotz der schlechten Zeit gleich produzieren und so hatte Arnold Hoyer immer wieder auch die wichtigste Währung zur Verfügung: Amerikanische Zigaretten. Damals gab es das Holz nur auf Bezugscheine und er hatte Zigaretten und dadurch auch das Holz irgendwoher getauscht bekommen. Man konnte auch die Amerikaner manchmal mit einer Gitarre oder Geige bezahlen. Geld war zu der Zeit ja nichts wert. 1953 habe ich mich dann in Bubenreuth selbständig gemacht. Das war ein Risiko für mich, aber wenn man jung ist, muss man auch ein Risiko eingehen können.

F: Sie haben dann umgeschwenkt von der Jazzgitarre auf die klassische Gitarre….

H: Ich habe angefangen mit Wandergitarren, kleine Modelle, stahlbesaitet, Ahorn/Fichte. Die habe ich für nicht einmal 30 DM für ein Musikhaus produziert und hatte dabei noch die Material- und weiteren Kosten. Da musste ich eben sechs Stück die Woche machen und das auch noch in der eigenen Wohnung, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen!
Durch Beziehungen bin ich dann u.a. Prof. Karl Scheit in Wien vorgestellt worden und auch Herrn Schaller und Herrn Brojer. Über diese Leute habe ich dann klassische Gitarren verkaufen können. So ging es aufwärts. Ich bin auf vielen Gitarrenseminaren gewesen bis Dänemark und Schweden hinauf. Auch nach Polen bin ich oft gereist.

F: Wie wichtig war für Sie der Kontakt mit anderen Gitarrenbauern
einerseits und den Gitarristen andererseits?

H: Unter den Gitarrenbauern gab es keinen Konkurrenzneid. Ich war z.B. damals mit einem guten Freund unterwegs in verschiedenen spanischen Städten. Zweimal sind wir beim alten Fleta gewesen und er hat zu mir gesagt: „Hier haben Sie meinen original Bunddraht und wenn bei meinen Gitarren in Deutschland etwas zu reparieren ist, können Sie den austauschen“. Aber es war nie nötig!
Gitarristen habe ich viele getroffen, z.B. Alice Arzt in New York oder
Pepe Romero, der auch eine Gitarre von mir gekauft hat. Das hat meinen Instrumentenbau schon beeinflusst.

F: Sie haben ja die ganze Palette von Gitarren gebaut: Oktavgitarren, Terzgitarren, auch viele achtsaitige Terz-Gitarren, Kindergitarren...

H: Ich hatte verschiedene Modelle von Kindergitarren angeboten, aber das ist heutzutage zu teuer.

F: Aber Sie haben als einer der ersten damit angefangen?

H: Das war vielleicht vor 20 Jahren, als Grant Gustafson in Herford mich davon überzeugte, dass es kleine Gitarren geben müsste. Wir haben damals dann den Handel und Großproduzenten wie Höfner eingeladen, um sie von Kindergitarren zu überzeugen. Seitdem gibt es auch kleinere Gitarren, Gott sei Dank. Ich habe also ein bisschen den Stein mit ins Rollen gebracht.

F: Gibt es eine Einschätzung von Ihnen zur Situation des Gitarrenbaus heute?

H: Es sind inzwischen viele deutsche junge Gitarrenbauer herangewachsen, Gott sei Dank Doch viele gehen eigene Wege, während es früher mehr eine ununterbrochene Tradition im Gitarrenbau gegeben hat. Auch konnten die Spieler früher auf ihre Gitarre warten bis sie fertig war. Heute wollen sie das fertige Instrument testen und kaufen es oder nicht.
Ich biete im Übrigen auch für Einsteiger eine Meistergitarre an, die natürlich von meiner Erfahrung beim Bauen und von der Tonqualität der teureren Instrumente profitiert. Sie ist aus Nussbaum/Fichte und kostet mit Koffer 1400 €.

F: Auf der anderen Seite sind ja gerade die Preise für Solistenmodelle in den letzten Jahren in die Höhe geschossen..

H: Also meine teuerste Gitarre aus Zirikote, mit einer alten Fichtendecke, Hand poliert usw. kostet 7000 €, sonst liegen sie bei mir zwischen 2000 und 4000 €.

F: Auf Ihrer Internetseite steht, dass die Leidenschaft, Holz zum Klingen zu bringen, Ihre Arbeit prägt. Gilt das heute, nach 50 Jahren Gitarrenbau auch noch für Sie?

H: Ja, - ich habe noch viel vor.

F: Herr Hannabach, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen noch viel weitere Schaffenskraft!


Das Interview führte Martin Blank

Weitere Informationen:

http://www.hannabach-instruments.de/

 

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