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Bilder vom Hamburger Gitarrenfestival
2. Hamburger Gitarrenfestival vom
01.-03.12.2006
- Das Festival der
Hansestadt etabliert sich als gitarristisches Highlight des Nordens -
Nachdem noch drei
Monate vor dem Festival kurzfristig die Räumlichkeiten gewechselt werden
mussten, erwies sich der neue Veranstaltungsort als wahrer Glückstreffer.
Durch die unkomplizierte und fruchtbare Kooperation von GitarreHamburg.de
mit der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg konnte das 2. Hamburger
Gitarrenfestival in den Räumen des Stadteilkulturzentrums „Kulturhof
Dulsberg“ stattfinden. Dies bot die schöne Möglichkeit, alle Bereiche
dieser umfangreichen Veranstaltung unter einem Dach durchzuführen.
Schon im Eingangsbereich
des Kulturhofs wurde man freundlich durch das Helferteam begrüßt und
erhielt seine Teilnahmeunterlagen sowie die Festivalbroschüre. Diese
führte durch das umfangreiche Angebot an Hauptkonzerten, musikalischen
Darbietungen auf der Aktionsbühne, das reichhaltige Unterrichts-,
Vortrags- und Workshopangebot, die Ausstellung rund um die Gitarre und
alles, was das 2. Hamburger Gitarrenfestival darüber hinaus zu bieten
hatte. Als zentraler Treffpunkt und Ort zum Fachsimpeln, fachlichem
Austausch oder einfach nur zum gemütlichen Klönen wurde die Cafeteria
hervorragend angenommen, was nicht zuletzt an der herzlichen Bedienung
lag, die die Besucher mit verschiedensten Getränken, Kuchen, belegten
Brötchen, Suppe und diversen Snacks bewirtete.
Offizieller Auftakt war
die Fingerstyle-Night mit Thomas Brendgens-Mönkemeyer, dem Duo „Hands on
Strings“ und Jacques Stotzem. Zu Beginn gab es konzertanten Jazz von
Thomas Brendgens-Mönkemeyer, der verhalten begann, mit zunehmender
Spieldauer aber immer mehr an Lockerheit gewann und bei den Freunden der
solistischen Jazzgitarre am Ende keine Wünsche offen ließ. Als Zuhörer
imaginierte man früher oder später eine swingende „virtuelle“ Begleitband
hinzu, genauso wie es offensichtlich auch der Interpret tut. Das aus
Thomas Fellow und Stephan Bormann bestehende Duo „Hands on Strings“
brachte den gut gefüllten Saal dann erstmals zum Kochen. Mit virtuosem
Spiel, tollen Arrangements von Klassikern wie zum Beispiel Astor
Piazzollas „Libertango“ oder Egberto Gismontis "Loro", ebenso mitreißenden
Eigenkompositionen und einer unterhaltenden Moderation dürften „Hands on
Strings“ in Hamburg viele Fans hinzugewonnen haben. Mit seiner melodischen
Art des Fingerstyle und der ihm eigenen Prise belgischen Humors gewann
auch Jacques Stotzem schnell das Publikum für sich, wie schon bei seinem
ersten Hamburg Gastspiel in 2003. Neben hochkarätigen Eigenkompositionen
verblüffte er seine Zuhörer aufs Neue mit seinen kongenialen Arrangements
von Titeln wie "All Of Me", "Sweet Georgia Brown" und dem rasanten Jimi
Hendrix-Evergreen „Purple Haze“. Das Publikum erlebte ein äußerst
facettenreichen und unterhaltsamen Abend, der in einer gemeinsamen
Abschlusssession aller vier Musiker mündete. Folgendem Fazit eines
Besuchers – veröffentlicht in einem Internetforum für „Fingerstyler“ – ist
nichts hinzuzufügen: „4 Stunden (abzgl.Pausen)
gute bis sehr gute Musik, und das für 18 Euro. Da kann man nicht meckern,
oder ?“
Am Samstag starteten dann
auch die Kurs- und Workshopangebote des Festivals. Teilnehmer mit ganz
unterschiedlichen Vorraussetzungen trafen sich bei Thomas
Brendgens-Mönkemeyer, um sich dem Thema Jazz, Blues und Improvisation zu
nähern bzw. einen tieferen Einblick in die Materie zu erhalten. Während
hier gemeinsam an Jazz- und Blueskompositionen gearbeitet wurde,
vermittelte Jacques Stotzem im Nebenraum seine moderne
Fingerstyle-Gitarrentechnik, die auf dem traditionellen Spiel der „Fingerpicker“
basiert. Dies wurde insbesondere an dem Stück „L`Autre Rive“ - einer
Eigenkomposition Stotzems – und einem Arrangement von Joe Zawinuls „Mercy,
Mercy, Mercy“ erprobt. Die klassischen Gitarristen fanden sich zu Kursen
bei Johannes Tonio Kreusch, Michael Tröster, Alexander Sergeí Ramirez,
Antigoni Goni und Bernd Ahlert ein, um hier als aktive Teilnehmer
gemeinsam mit dem jeweiligen Dozenten an vorbereitetem Repertoire zu
arbeiten oder dies als passive Zuhörer mitzuerleben. Unter der
fachkundigen Anleitung von Steffen Trekel traf man sich zudem zum
gemeinsamen Spiel im Gitarrenensemble. In keinem Kurs spielte es eine
Rolle, auf welchem spielerischen Niveau man sich als Teilnehmer befand.
Jedem wurde auf seiner ganz individuellen Ebene begegnet und zahlreiche
wertvolle Tipps zur persönlichen, spieltechnischen- und musikalischen
Weiterentwicklung gegeben. Wie auch in 2004 wurde das Festival insgesamt
wieder von einer herzlichen, freundschaftlichen und sehr entspannten
Grundstimmung unter Teilnehmern, Dozenten, Künstlern, Helfern und
Besuchern geprägt!
Parallel öffnete auch die
abwechslungsreiche Ausstellung rund um die Gitarre Ihre Pforten. Hier
konnte man nach Herzenslust im umfangreichen Notenangebot stöbern, neue
Gitarren anspielen und sich über nützliches Zubehör informieren. Aus
Osnabrück war Acoustic Music mit einem umfangreichen Angebot an CD´s und
Noten-Ausgaben angereist. Der Schell-Verlag präsentierte bewährte
Publikationen und seine brandneuen Notenausgaben wie „Flatpicking –
Mastertechnique“ von Oliver Waitze, „Horizonte“ von Sven Ketelsen oder die
Rhythmusschule „Stay in Time“ des Akustikbassvirtuosen Ralf Gauck. Das
Musikhaus Trekel hatte seine umfangreiche Notenausstellung der
unterschiedlichsten Verlage aufgebaut. Spätestens hier konnte man für jede
Stilistik und alle Niveaustufen die passende Notenausgabe finden. Gleich
nebenan war der Stand der jungen Firma „Session Box“ zu finden, die hier
ihr Angebot an günstig und stundenweise anzumietenden Übungsräumen
vorstellte. Selbstverständlich waren auch die Gitarrenbauer zahlreich und
vielseitig vertreten. Norman Ort von „Gypsyguitar“ hatte eine
hochinteressante Auswahl an Jazzgitarren zu bieten, Jens Towet hatte seine
selbstgebauten Konzert- und Stahlsaitengitarren aus Kevelaer mitgebracht
und auch bei den Gitarrenbaumeistern Andreas Krüger aus Bielefeld, Gerd
Petersen aus Mölln und dem in Hamburg ansässigen Carsten Kobs konnte man
hochkarätige Meisterinstrumente antesten. Eine Neuentwicklung war am Stand
von Philipp Neuman aus Leipzig zu bestaunen, der hier seine
Gitarre mit einem Doppelboden-Konzept und ohne herkömmlichem Schallloch
vorstellte.
Einen äußerst erfreulichen Zuspruch erhielt
erneut die Aktionsbühne. Auch hier spiegelte sich die große Vielfalt der
Gitarre in diversen Stilistiken und den unterschiedlichsten Besetzungen
wieder. In diesem Rahmen stellten sowohl Hobbymusiker als auch arrivierte
Gitarristen Ausschnitte aus Ihren Programmen vor. Das Gitarrentrio „Tea
for Three“ machte den Anfang mit Musik von Joseph Haydn, Stephan Raak und
dem „Berlin-Blues“ von Michael Haas. Danach nutzen vier junge Gitarristen
die Aktionsbühne zu einem Testlauf für den Wettbewerb „Jugend musiziert“
und päsentierten „Gryses Y Soles“ von Maximo Diego Pujol, den beliebten
Kanon von Johann Pachelbel sowie den melodisch eingängigen und „groovenden“
Titel „Lotus Eaters“ von Andrew York. Mit Christian Kunze folgte ein
waschechter Profi, der das Publikum mit eigene Kompositionen begeisterte,
in denen er Impressionen eines Besuchs auf der Insel Corfu verarbeitete.
Bevor mit dem Gitarrenensemble der Musikschule Schneider und dem Farmsener
Gitarrenesemble – u.a. qualifizierte sich dieses Ensemble für den 5.
Deutschen Orchesterwettbewerb - zwei Gitarrenorchester zu hören waren,
nahm Antonio Cosenza das Publikum mit auf eine virtuose musikalische Reise
in seinen südamerikanische Heimat. Genauso bunt sollte es dann am Sonntag
weitergehen. Der Hamburger Gitarrist und Gitarrenlehrer Christoph Biermann
stellte eigene Stücke vor, bevor George Linardatos mit Stimme und
Gitarrespiel zu überzeugen wusste. Besonders beeindruckte der erstklassige
Freizeitgitarrist das Publikum mit seiner Solofassung des Dire Straits –
Klassikers „Sultans of Swing“, selbst auf das berühmte Gitarrensolo
verzichtete Linardatos nicht! Mit Thorsten Hansen präsentierte sich ein
weiterer Profi, der sich in vielen musikalischen Welten zu Hause fühlt und
das auf klassischer Konzertgitarre und auf der Steelstring eindrucksvoll
demonstrierte. Mit dem Albert-Schweitzer-Jugendgitarrenensemble (ASJGO)
enterten noch einmal die jungen Gitarristen die Aktionsbühne. Dieses - aus
einem Gitarrenensemble im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts an der
Albert-Schweitzer-Schule hervorgegangene - Gitarrenensemble demonstrierte
sein hohes Potential mit Kompositionen des Australiers Richard Charlton,
dem Stück „Around Mi“ von Heinz Brüderl und einem Arrangement des
berühmten Titels „Europa“ von Carlos Santana. Für ein fulminantes Finale
voll ansteckender Spielfreude sorgte – auf besonderen Wunsch des
Veranstalters – das Gitarrenduo „Matamă“ mit seinem feurigen Mix aus
Flamenco und brasilianischer Musik. Hochinteressant waren darüber hinaus
die in „letzter Minute“ ins Programm aufgenommenen kostenlosen
Mitmachworkshops mit Steven Pfeffer (Flamenco) und Felix Schell (Fingerstyle-Blues),
die auf sehr positive Resonanz stießen. Mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf,
dürften derartige „Schnupperangebote“ auch noch regeren Zulauf erhalten
und den Ein- oder Anderen für eine neue Stilistik oder das Gitarrespielen
überhaupt begeistern.
Neben den spannenden und
für die Besucher kostenlosen Darbietungen auf der Aktionsbühne gab es
selbstverständlich exquisit besetzte Hauptkonzerte. Der Samstagabend stand
ganz im Zeichen des klassischen Solospiels. Die erste Hälfte des Konzerts
wurde von der Griechischen Gitarristin Antigoni Goni gestaltet, die der
heimliche Star des 1. Hamburger Gitarrenfestivals war. Auch wenn ihr
Vortrag in diesem Jahr nicht ganz so entspannt wirkte wie in 2004,
beeindruckte sie auch diesmal mit eleganter Phrasierung, äußerst
sinnlicher Tongebung und engagiertem Spiel. Neben dem viersätzigen Werk „Giokonda´s
smile“ von Manos Hadjidakis, drei Choros von Ernesto Nazareth und dem
immer wieder gern gehörten „Un Sueño en la Floresta“ von Augustin
Barrios-Mangoré verzauberte Antigoni Goni diesmal ihre Zuhörer diesmal
insbesondere mit Dusan Bogdanovic´s „Hymn to the Muse“. Alexander Sergeí
Ramirez stellte sich dem Hamburger Publikum mit einem fast populär
anmutenden Programm vor. Mit traumwandlerischer Sicherheit präsentierte er
Etüden von Heitor Villa-Lobos, die Stücke „Leyenda“ und „Rumores de la
Caleta“ von Isaac Albéniz und Yuquijiro Yokohs „Sakura-Variationen“.
Highlights des Abends waren sicher die von Ramirez aus Lima mitgebrachten
klassischen Werke eines Anonymen Komponisten, deren Entstehung auf das
Jahr 1786 datiert ist sowie das in atemberaubender Manier dargebotene
Koyunbaba von Carlo Domeniconi, das das Publikum zu wahren Beifallsstürmen
hinriss.
In der Sonntagsmatinee
bekam das Publikum Kammermusik auf höchstem Niveau geboten. Von den
solistischen Qualitäten eines Johannes Tonio Kreusch konnte sich das
Publikum im Rahmen der Hamburger Gitarrentage schon mehrfach überzeugen.
Diesmal hatte der sympathische Münchener Gitarrist seine Frau und
Duopartnerin Doris Kreusch-Orsan mit nach Hamburg gebracht. Musik für
Violine und Gitarre von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Enrique
Granados stand auf dem Programm und wurde mit höchster musikalischer
Intensität dargeboten. Insbesondere mit Schuberts berühmte „Arpeggione“
und Granados „Danza Oriental“ zogen Kreuschs das Auditorium in ihren Bann.
Schon jetzt darf man sich auf den 07. September 2007 freuen, dann wird das
Duo zu einem weiteren Gastspiel nach Hamburg kommen. Ein virtuoses
Feuerwerk zündeten in der zweiten Hälfte Michael Tröster (Gitarre) und
Steffen Trekel (Mandoline). Hier hat sich ein absolutes Spitzenduo
zusammengefunden das keinerlei spieltechnischen Beschränkungen unterworfen
ist und es darüber hinaus versteht, musikalisch gleichermaßen delikat und
ausdrucksvoll zu gestalten. Tröster und Trekel präsentierten mit der
viersätzigen Sonate für Mandoline und Gitarre von Keigo Fujii, „Café para
dos“ von Maximo Diego Pujol den „Reflexões No. 6“ von Jaime Mirtenbaum
Zenamon Stücke ihrer jüngst beim Label Torofon erschienenen CD „En Garde“.
Mit dem „Tango En Skai“ von Roland Dyens und Astor Piazzollas „La Muerte
Del Angel“ konnte Michael Tröster zudem seine außergewöhnlichen
solistischen Qualitäten demonstrieren.
Als neue
Veranstaltungsinhalte wurden auch die beiden Vorträge von den Teilnehmern
sehr begrüßt. Bernd Ahlert referierte über „Die Geschichte der Gitarre –
von der Renaissance bis heute“ und demonstrierte eindrucksvoll in seinem
Vortrag die Bauweise, die Notation, die Spielweise und den typischen
Klangcharakter von Vihuela, vierchöriger Renaissancegitarre, der
Barockgitarre in Spanien und Frankreich, der klassischen Gitarre, der
Torresgitarre und der modernen Konzertgitarre. Fast alle Instrumente
wurden von Ahlert selbst in eigener Werkstatt angefertigt. Peter Korbel
sprach mit seinem Thema „E-Gitarrenunterricht mit Kindern“ insbesondere
die zahlreichen Gitarrenlehrer unter den Teilnehmern an. Anhand seines
Lehrbuchs „E-Gitarre mit Rocko“ erläuterte den Zuhörern seinen
methodischen Ansatz.
Dieses spannende und
überaus reichhaltige Gitarrenwochenende sollte wirklich jedem
Interessierten etwas geboten haben. An dieser Stelle sei noch einmal ganz
herzlich den vielen Besuchern, den Sponsoren von GitarreHamburg.de, der
Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg und den vielen ehrenamtlichen Helfer
gedankt, ohne die ein derart umfangreiche Veranstaltung nicht
durchzuführen wäre und die durch ihre positive, offene und herzliche Art
den Charakter des Hamburger Gitarrenfestivals prägen.
In diesem Jahr werden die
Hamburger Gitarrentage mit drei kleineren Veranstaltungen fortgeführt. Am
11. Mai wird der aufstrebende junge Gitarrevirtuose Dimtri Illarionov für
ein Konzert zu Gast sein, vom 07.-09. September folgt ein Konzert und ein
Kammermusikworkshop mit Johannes Tonio Kreusch & Doris Kreusch Orsan. Im
Dezember (07.-09.12.) wird zudem das Dresdener Duo Nassler & Schneider
nach Hamburg kommen. Auch einen Termin für das 3. Hamburger
Gitarrenfestival gibt es schon, es findet voraussichtlich vom
31.10.-02.11.2008 im Kulturhof Dulsberg statt. Ausführliche Informationen
finden Interessierte auf der Website www.GitarreHamburg.de.
Bilder vom Hamburger Gitarrenfestival |