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David Russell, Rafael Aguirre, Aniello Desiderio, Jorge Cardoso,
Mike Dawes, Antoine Dufour, Michael Fix, Sönke Meinen u.a.

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Bericht/Hamburger Gitarrenfestival 2010

 

4. Hamburger Gitarrenfestival vom 29.-31.10.2010
GitarreHamburg.de präsentiert den „siebten Gitarrenhimmel“

von Michael Böhm

„Wenn vier Sologitarristen über vier Stunden ein Konzert bestreiten und es bleibt dauerhaft, bis zur letzten Zugabe, erfrischend und spannend, dann haben die Veranstalter des 4. Hamburger Gitarrenfestivals die richtige Mischung gefunden“ schrieb das Internetfeuilleton kultur-port.de in einem begeisterten Bericht über die Fingerstyle-Night, mit der das Hamburger Gitarrenfestival vom 29.-31.10.2010 eröffnet wurde. Diese positive Bewertung des Auftaktkonzerts ließ sich getrost auch auf das gesamte Festivalwochenende übertragen. Einmal mehr wurden in der Hansestadt drei hochintensive Tage rund um die akustische Gitarre geboten. Obwohl sich das Hamburger Gitarrenfestival schon nach der dritten Auflage deutschlandweit zu den wichtigsten derartigen Veranstaltungen zählen durfte, konnte das Programm in Umfang und Qualität eine weitere Steigerung erfahren.  Dies versprach schon die internationale und stilistisch sehr vielfältige Riege an Künstlern und Dozenten, die Namen wie David Russell, Andrew York, Don Ross, Peter Finger, Antoine Dufour, Michael Tröster, Johannes Tonio Kreusch, Olaf Van Gonnissen, Prof. Klaus Hempel, Analia Rego, André Krikula, Johannes Tappert und Dianji Estevez Caraballo umfasste.

Hochkarätige Festivalkonzerte
Vier exquisite Konzerte bildeten den künstlerischen Rahmen des  4. Hamburger Gitarrenfestivals, das nach lieb gewonnener Tradition wieder von den „Fingerstylern“ eröffnet wurde.  Noch einmal sei hier der schon weiter oben genannte Artikel zitiert: „Beim Eröffnungskonzert folgt auf einen begabten Youngster, ein Innovationsmeister, danach ein vollendeter Virtuose romantischer Gitarrenkunst und zuletzt der König der Könige.“ Hatten die Programmmacher schon in 2008 mit Andy McKee ein gutes Gespür für aufstrebende Talente bewiesen, konnten sie in 2010 mit der Verpflichtung des erst 20 Jahre alten Dianji Estevez Caraballo einen weiteren hochinteressanten  Newcomer präsentieren. Mit seiner sehr groovebetonten  und percussiven Spielweise war der junge Göttinger weit mehr als der willkommene „Warmmacher“ für die arrivierten Stars der Szene.  Auch  Antoine Dufour nutzt in seinen Kompositionen gern auf virtuose Weise Spieltechniken wie Tapping und Slapping. Der Francokanadier verfügt darüber hinaus über ein hochsensibles Klangempfinden, das sicher seiner klassischen Ausbildung geschuldet ist und bescherte dem Publikum damit viele Momente höchster musikalischer Spannung und Intensität. Nach so viel  Gitarren-Perkussion bewies Peter Finger, dass er ein virtuoser Meister der großen melodischen Linie und weiten Spannungsbögen ist. Nicht wenige Besucher empfanden dies als geradezu wohltuende Abwechslung.  Danach war alles für ein grandioses Finale mit Don Ross bereitet. Er gilt mittlerweile fast als eine Art Vaterfigur der Neuen Fingerstyle-Generation, denn wohl keine der aufstrebenden Persönlichkeiten der Fingerstyle-Szene kann seinen großen Einfluss verleugnen. Don Ross enttäuschte die hohen Erwartungen des Publikums nicht. Was er bot war eine grandiose Show zwischen musikalischem Feuerwerk und großem  Entertainment.

Ein Konzert, das bei den meisten Besuchern sicher zu den „unvergesslichen Momenten“ zählen dürfte, sollte auch der Auftritt von  David Russell am 30.10.2010 werden. Ihm eilt der Ruf des Grammy-Gewinners und derzeitigem  „Maß aller Dinge“ voraus. Die Vorfreude des Publikums war lange vor Konzertbeginn deutlich spürbar. Schon beim Betreten der Bühne wurde der in Spanien lebende Schotte frenetisch vom Hamburger Publikum gefeiert. Was folgte war feinsinnige und unglaublich sauber vorgetragene Virtuosität, die sich voll in den Dienst des musikalischen Ausdrucks stellt. Als Künstlerpersönlichkeit sympathisch normal und charismatisch zugleich und im Vortrag durchgeistigt aber absolut nicht „kopflastig“, so präsentierte David Russell seinem Auditorium ein sehr vielschichtiges Programm aus Kompositionen von F. Sor, F. Couperin, A. Neves, J.S. Bach, F. Kleynjans  und I. Albeniz.

Andrew York, ehemaliges Mitglied und Mitbegründer des weltberühmten Los Angeles Guitar Quartet und Hamburgs „Artist in Residence“  Johannes Tonio Kreusch gestalteten das sonntägliche Matineé-Konzert, das zwischen zeitgenössischen Kompositionen der beiden Musiker und improvisierten Klängen changierte. Das Hamburger Abendblatt hatte dieses Konzert mit der Überschrift „Zwei Alleskönner vereint im Gitarren-Duett“ angekündigt, da beide Künstler zu der seltenen Spezies von Musikern gehören, die sich als Interpreten klassischer Literatur und eigener Werke und darüber hinaus als begnadete Improvisateure einen Namen gemacht haben. Mit seinen faszinierenden Klangräumen, experimentellen Sounds und immer wieder erstaunlicher expressiver Musikalität eröffnete der sympathische Münchener Gitarrist das Konzert und bot ausschließlich Eigenkompositionen aus der „Siddartha Suite“ und seiner CD „Cristallization“ dar. In der zweiten Hälfte fesselte  Andrew York das Publikum mit seinen Werken zwischen klassischer Idiomatik, Jazz und Fingerstyletechniken.  Die Fangemeinde wartete natürlich auf Hits wie Sunburst und Marley´s Ghost und der Meister enttäuschte sie nicht. Geradezu weltentrückt und völlig eins mit sich und seiner Musik entführte er die Zuhörer in sein musikalisches Universum. Zum Abschluss formierten sich beide Musiker zu einem Duo der Extraklasse und präsentierten das von einem Tempel in Kyoto inspirierte und aus Andrew Yorks Feder stammende Stück „Sanzen In“ sowie eine komplett freie Improvisation. Lediglich der sehr dichte Festivalzeitplan unterband - zum Leidwesen der Zuhörer - weitere Zugaben der wunderbar harmonierenden Musiker.

Neu im Programm war das Abschlusskonzert des Festivals, welches in Zukunft Raum für jeweils wechselnde Stilrichtungen geben soll. In 2010 war es die Südamerikanische Musik vertreten durch die argentinische Tangogitarristin Analia Rego und dem in Hamburg lebenden  André Krikula. In der ersten Konzerhälfte zeigte Analia Rego eindrucksvoll auf, warum der Satz des Tango-Texters Enrique Santos Discepolo „Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ so oft im Zusammenhang mit diesem Genre zitiert wird. Im Widerspruch zu ihrem hochkonzentrierten und zu Beginn fast ein wenig steif wirkenden Auftreten war der Vortrag sehr emotional und äußerst berührend. Das Festivalfinale gestaltete André Krikula mit brasilianischer Leichtigkeit. Zu Beginn solistisch später mit dem Percussionisten Oscar Ferreira ließ er noch einmal echte Feierstimmung aufkommen. Mit großer Zufriedenheit konnte das Organisationsteam insgesamt rund 1200 Konzertbesucher bilanzieren.

Kurse, Workshops & Vorträge
Auch die Angebote der gitarristischen Weiterbildung ließen nichts zu wünschen übrig und stießen mit 150 Teilnehmern auf ein erfreulich großes Interesse. Traditionell treten alle Künstler des Festivals auch als Kursdozenten in Erscheinung. Neben den klassischen Gitarrenkursen wurden drei verschiedene Fingerstyle-Workshops und Kurse zu den Themen Tango und Brasilianische Gitarrenmusik geboten. Nicht zuletzt die Dauer der Unterrichtseinheiten ermöglichte substantielle Wissensvermittlung mit Langzeitwirkung! Zudem bietet eine Kursteilnahme die einzigartige Möglichkeit, die Stars der Szene aus nächster Nähe erleben zu können.  Abgerundet wurde das Kursangebot durch Vorträge zu den Themen „Traditioneller Gitarrenbau“ von Trevor Semple und dem äußerst unterhaltsamen Vortrag von Olaf Van Gonnissen mit dem Titel „Der Stille-Post-Effekt“ in der Interpretationspraxis, der die willkürlichen musikalisch/stilistischen Merkwürdigkeiten und deren unbewusste Vererbung untersucht. Nachdem sich die  Landesmusikakademie Hamburg in 2008 mit einem Fachforum zum Thema „Klassenmusizieren mit der Gitarre“ inhaltlich in das Festivalprogramm eingebracht hatte, hieß das diesjährige Thema  einer Podiumsdiskussion – gemeinsam präsentiert mit der European Guitar Teachers Association - „Herausforderung JeKi“. Unter der Moderation von Tilman Hübner diskutierten wichtige Vertreter der gitarristischen Ausbildung wie Dieter Kreidler oder Prof. Klaus Hempel und Behördenvertreter über Möglichkeiten der Qualitätssicherung, inhaltlichen Umsetzung, Anforderungen an „JeKi-Lehrkräfte“ und viele andere Themen rund um diese große instrumentalpädagogische Bewegung.

Ausstellung & Aktionsbühne
Besonders in den offen zugänglichen Bereichen Ausstellung und Aktionsbühne wurde die deutlich gestiegene Publikumsresonanz sichtbar. Viele hunderte Besucher nutzen die tolle Möglichkeit, den ganzen Tag über kostenlos den hochkarätigen und äußerst abwechslungsreichen musikalischen Darbietungen zuzuhören und sich an den  32 Ständen der Instrumentenbauer und Händler zu informieren. Der Stand der  European Guitar Teachers Association (EGTA) bot zudem Informationen zum Gitarrenunterricht und zum Tätigkeitsprofil dieses wichtigen Berufsverbandes. Auf der Aktionsbühne spielten alle Künstler vor gut besetzen Stuhlreihen. Bei einzelnen Beiträgen konnten über 200 Besucher gezählt werden.  Gitarrenorchester, Solisten der unterschiedlichsten Genres, Kammermusikformationen, Bundessieger des Wettbewerbs Jugend Musiziert, eine Jazzband der Staatlichen Jugend Musikschule oder Songwriter  boten von morgens bis abends ein attraktives Programm.  Sogar die Umbaupausen wurden zur musikalischen Unterhaltung genutzt, indem Gitarobarix – Klaus Renzel – mit hochvirtuoser Gitarren-Comedy zum jeweils nächsten Beitrag überleitete. Zudem erwies sich die Aktionsbühne einmal mehr als ein mögliches  Sprungbrett in das Hauptprogramm der Hamburger Gitarrentage. So können sich der junge Fingerstyler Simon Wahl  und das Hamburger Elbe Saiten Quartett auf Auftritte bei den Hamburger Gitarrentage 2011 freuen. Sogar einer der Festivalstars ließ sich noch einmal auf der Aktionsbühne sehen. Gemeinsam mit dem JugendGitarrenOrchester-Hamburg (ehemals Albert-Schweitzer-JugendGitarrenOrchester) spielte Andrew York seine Komposition „Lotus Eaters“.

Zu jeder Zeit erfreute sich auch die Ausstellung einer hohen Besucherfrequenz. Überall wurden Instrumente ausprobiert, gefachsimpelt, in Notenausgaben und Zubehör gestöbert oder spontan gejammt.  Als echte Besucherattraktion entpuppte sich die umfangreiche Sammlung historischer Gitarren von Johannes Tappert. Die Hamburger Ausstellung ist mittlerweile ein wichtiger Branchentreffpunkt, der u.a. Verlagsvertretern oder Fachjournalisten zur Knüpfung von Kontakten dient, was nicht zuletzt an der fast schon legendär guten Hamburger Atmosphäre liegt. Angefangen bei der freundlichen Begrüßung am Infostand bis hin zur tollen und preisgünstigen Verpflegung in der zentralen Cafeteria. Alle Mitglieder des Organisationsteams haben stets ein offenes Ohr für Fragen und Anliegen der Besucher, die aus dem gesamten Bundesgebiet aber auch Ländern wie Spanien, England, Schweden, Österreich, Dänemark, Schweiz und den Niederlanden angereist waren.

Junges Festival
Hamburg ist ein auffällig junges Festival, was vielleicht auch ein Ergebnis der gezielten Nachwuchsförderung von GitarreHamburg.de ist. Schon seit vielen Jahren zählt das Internetportal zu den Preisstiftern der Hamburger Gitarrenwettspiele und ermöglichte zahlreichen jungen Gitarristen die Teilnahme an Meisterkursen durch Stipendien. Darüber hinaus ist GitarreHamburg.de Stifter eines Gitarre Sonderpreises im Landeswettbewerb Jugend musiziert und engagiert sich als Träger des JugendGitarrenOrchesters-Hamburg (JGOH).

Gestiegenes Medieninteresse
Sehr erfreulich war das gestiegene Medieninteresse. Erstmals berichteten die Fernsehsender NDR und Hamburg 1, gab es Radiointerviews und wurde in redaktionellen Beiträgen des Hamburger Abendblattes – Hamburgs größte Tageszeitung titelte u.a. „Im siebten Gitarrenhimmel“ auf das Festival hingewiesen. Wer nicht selbst vor Ort sein konnte, der kann übrigens mit Filmimpressionen auf dem YouTube-Kanal des Hamburger Gitarrenfestivals - www.youtube.com/Gitarrenfestival - ein wenig von der tollen Atmosphäre nacherleben. Auf der Facebook-Präsenz und auf GitarreHamburg.de steht zudem umfangreiches Fotomaterial zur Verfügung.

Ausblick
Als Bilanz bleibt die Erkenntnis, dass Hamburg mittlerweile zu einer echten Gitarrenhochburg gereift ist. GitarreHamburg.de wird dazu beitragen, dass sich dies auch in 2011 nicht ändern wird. Zwar findet das 5. Hamburger Gitarrenfestival erst vom 26.-28.10.2012 statt, die Hamburger Gitarrentage 2011 bieten aber gleich sechs hochkarätige Konzertereignisse und ein umfangreiches Kursangebot. Schon am 18. Februar 2011 wird die Spielzeit mit einem Konzert des renommierten Amadeus Guitar Duo im Studio E der Laeiszhalle eröffnet. Weitere Interpreten werden u.a. Carlo Marchione, Prof. Rainer Feldmann, Pierre Bensusan, Adam Rafferty und das weltberühmte Los Angeles Guitar Quartet (LAGQ) sein, das schon beim 3. Hamburger Gitarrenfestival einen umjubelten Auftritt zelebrierte. Der Besuch des LAGQ wird zudem um ein hochinteressantes Education-Projekt ergänzt, welches in Kooperation mit dem JugendGitarrenOrchester-Hamburg (JGOH) und der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg durchgeführt wird. Am 13. Mai wird im Kulturhof Dulsberg und der Stadtteilschule Alter Teichweg ein Kurzkonzert und ein Meisterkurs mit dem Los Angeles Guitar Quartet stattfinden, zu dem alle Hamburger Nachwuchsgitarristen ganz herzlich eingeladen sind. Die Teilnahme ist für alle Hamburger Schüler kostenlos! Informationen stehen auf www.hamburger-gitarrentage.de bereit.

 Bilder vom 4. Hamburger Gitarrenfestival - hier klicken!

 

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