|
Ein wirklich innovatives Technik-Handbuch für Klassikgitarristen kommt
unter dem Titel "Pumping Nylon" aus dem Hause Alfred-Publishing.
Es wurde in Zusammenarbeit mit dem "National Guitar Workshop",
einer renommierten Gitarren-Schule in den USA, veröffentlicht. Der Autor
ist kein geringerer als Scott Tennant, bekannt u.a. als Mitglied des
"Los Angeles Guitar Quartet".
Wie in anderen Technikwerken auch, werden wichtigen Themen der
Gitarrentechnik wie Haltung, Tremolo, Tonleitern, Barré, Bindungen,
Koordination, Arpeggios, tägliche Warm-up-Übungen, usw. ausführlich
behandelt. Die Aufarbeitung dieses, von vielen Lernenden als sehr trocken
empfundenen Stoffes, hebt sich aber grundlegend von den herkömmlichen
Publikationen ähnlichen Inhalts ab.
Auffällig ist die positive Herangehensweise Tennants an technische
Probleme, die auch auf den Leser der prägnant formulierten Begleittexte
überspringt. Wo andere Technikwerke einzig auf möglichst häufige
Wiederholung des Lehrstoffs setzen, bietet Tennant immer wieder kreative
Lösungsvorschläge, die dazu anregen, auch selbst auszuprobieren und nach
einer individuellen Lösung von technischen Problemen zu suchen. So kann das
Techniküben zu einer spannenden Entdeckungsreise werden bei der man
erfährt, dass man allzu häufig die persönlichen Grenzen mit Gewalt zu
verschieben sucht.
Die Konzeption des Buches setzt nicht voraus, dass es schrittweise von
Anfang bis Ende durchgearbeitet wird. Man kann sich auch einzelne Themen
herausgreifen, die zur Zeit im Vordergrund des Übens stehen. Bewusst hat
der Autor darauf verzichtet, noch eine herkömmliche Materialsammlung mit
Tonleitern durch alle Tonarten und allen erdenklichen Arpeggio-Formen bzw.
Anschlagsmustern vorzulegen. Dazu schreibt Tennant im Vorwort: "Meine
Absicht war es vielmehr, mich nur auf bestimmte technische Fragen zu
konzentrieren, die, soweit ich weiß, in keinem anderen Buch deutlich
erklärt werden."
Zwei Kapitel heben sich ganz besonders von üblichen Technikwerken ab. So
geht Tennant ausführlich auf verschiedene Flamencospieltechniken wie
Alzapua und Rasgueados ein. Besonders das Üben von Rasgueados ist Tennant
ein wichtiges Anliegen, werden dabei doch die Streckmuskeln aufgebaut,
welche die Finger nach außen bewegen und so für ein schnelle
Rückstellbewegung sorgen. Auch auf die Tonerzeugung und ganz besonders auf
die richtige Formung der Fingernägel in der Art einer "Rampe"
geht der Autor intensiv ein.
Im interessanten Nachwort hat Scott Tennant noch einmal seine Gedanken zu
den Themen Lampenfieber, Übung und Begeisterung zusammengefasst.
Aufgelockert wird das Lehrwerk zudem mit interessanten Sinnsprüchen und
fernöstlichen Weisheiten die so manche Botschaft Tennants unterstreichen
und auf angenehme Weise zum denken anregen. So unterstreicht er z.B. die
Aussage, man solle am Anfang möglichst langsam Üben mit diesem Zweizeiler
von William Shakespeare:
"Um einen steilen Hügel zu erklimmen,
muss man am Anfang langsam gehen."
Neben der Standardnotation, sind alle Übungen auch in
Tabulaturschreibweise dargestellt.
Zurück
|